“Heute auf der Republica…” Es ist der erste Beitrag meines Lebens, den ich auf LinkedIn teile. 

Ich poste, weil ich mir dieses Jahr vorgenommen habe, mehr Dinge einfach zu machen. Hürden zu überwinden, die ich mir über die Jahre selbst gebaut habe, weil ich mir etwas einrede oder zu lange darüber nachgedacht habe.

Beispiel Social Media. 

Anstatt zu hadern, ob ich jetzt etwas teile oder nicht, poste ich normalerweise lieber gar nichts. Doch ich bewundere Frauen wie Teresa Bücker, Ronja von Römme, Aminata Belli oder Margarete Stokowski für ihre Social Media Präsenz – ganz unabhängig von ihren Inhalten, allein schon dafür, dass sie anscheinend keine Angst mehr davor haben, ihre Ansichten zu teilen.

„Wovor hast du Angst?“, fragt mich Margarete Stokowski, als ich sie auf Instagram nach der magischen Zauberformel frage, dank der es ihr egal ist, was andere über ihre Posts denken.

„…wenn Leute komplett durchdrehen kann man ja auch muten und blocken.“, sagt sie und ich bemerke, dass es bei Leuten wie mir gar nicht erst so weit kommt, weil ich zuerst einmal meine eigene, innere Kommentarspalte muten müsste. 

Es gibt so viele Frauen, die immer wieder neue, interessante Erkenntnisse und Einschätzungen haben oder Erfahrungen sammeln, von denen auch andere profitieren könnten. Ich denke, ich gehöre auch dazu. Aber gefühlt gibt es in der oberflächlichen, like-geilen Social Media Welt keinen Raum für diese Inhalte. 

Einspruch. Tatsächlich gibt es ihn, aber wir nehmen ihn nicht in Anspruch. Stattdessen überlassen wir ihn den Hatern, den Populisten, den wenigen Lauten und verstärken diese Posts dann auch noch, wenn wir uns darüber aufregen oder darauf reagieren. 

Teresa Bücker macht auf der re:publica 19 einen Vorschlag: „Warum geben wir dem Hass überhaupt so viel Raum? Ich hatte mir als Ziel gesetzt, dass ich mehr positive Dinge teilen muss. (…) Menschen, die eigentlich für Freiheit stehen, die Vielfalt wollen, die Debatten wollen, machen bei den Empörungsdebatten sehr stark mit.“ 

Ihr Appell: „Macht euch mal klar, über welche Themen ihr eigentlich debattieren wollt. Was sind Zukunftsthemen, was sind wichtige Fragen, die gelöst werden müssen?“

Ihrer Ansicht nach gäbe es so viele kluge Inhalte und wertvolle Anstöße, die geteilt werden sollten. Doch sie weiß, wie die Nutzer-und Leserbeteiligung im Netz funktioniert: Es ist nur 1% der Nutzer, die häufig sehr aktiv und auch sehr aggressiv sind. Viele kluge Leute hingegen bleiben passiv, ohne sich im Netz zu beteiligen. Wenn wir das Netz zu einem besseren Ort machen wollen, dann liegt es auch an uns, uns zu beteiligen und uns Gedanken darüber zu machen: Was geben wir weiter, was unterstützen wir, was teilen wir?“

Oder wie Eva Horn es in ihrem Vortrag auf der Republica so treffend formuliert: „Stop making stupid people famous. Please, gebt Idioten keine Reichweite.“

Es ist ein Aha-Moment für mich, denn ich hatte immer das Gefühl, dass gegen den Hass im Netz etwas unternommen werden sollte.

…eine Kampagne gegen Rechts starten, Influencer einbinden, selbst politische Inhalte posten, um als Gegenstimme im Netz wahrgenommen werden zu können.

Doch ich habe jetzt verstanden, dass wir jedes Mal, wenn wir auf den Hass im Netz reagieren, automatisch seine Lautstärke verdoppeln. Anstatt etwas gegen diese Stimmen zu unternehmen, sollten wir also eher etwas für die anderen Stimmen tun.

Menschenfeindliche Inhalte können unkommentiert bleiben – sofern wir uns auf der anderen Seite trauen, uns selbst im Netz mehr zu beteiligen und Inhalte zu teilen, die uns begeistern, die Spaß machen, Ideen anregen, andere kreativ werden lassen und inspirieren. 

…und da sind wir wieder beim Thema: Für jemanden wie mich, der Social Media eher passiv nutzt und es nicht gewohnt ist, ungefragt seine Meinung herumzuposaunen, ist das eine Hürde. 

Dabei geht es gar nicht ums LAUT SEIN. Aber DA SEIN, mitreden, Erfahrungen teilen und sich austauschen funktioniert auf Social Media nunmal erst dann, wenn ich es wage, dort auch präsent zu sein. Ich möchte diesen Schritt gehen und auf dem Weg auch andere Frauen dazu ermutigen, im Netz mit ihren Ideen präsent zu werden. Dabei habe ich immer diesen Satz von Narrative re-authoring coach Chené Swart im Hinterkopf:

„In finding an alternative to the silence, finding a community that supports my voice and that invites me to speak has been the most important nudge into speaking. Who is the community of storykeepers that cheer you on as you bring your voice to our world?“