Viel hat meine Oma nicht erzählt. Was ein kleines Stück Butter für sie bedeutet hat und wie eng es in dem Viehtransporter war, der sie und ihre Familie nach Dänemark gebracht hat, als die russischen Soldaten kamen. Im Flüchtlingslager wurden Theaterstücke aufgeführt und es gab auch ein Kino…

 

…es sind die Erinnerungen eines Kindes, dessen Vater im Krieg gefallen ist und dessen Mutter eine Heldin des Alltags gewesen sein muss. Wie sonst hätte sie fünf Kinder ganz alleine durchbringen können, in dieser Zeit? 

Nach ihrem drei Jahre langen Aufenthalt im Flüchtlingslager Oksbøl wurde die Familie meiner Oma in den Schwarzwald geschickt, wo zweiundvierzig Jahre später ich geboren wurde. Ich kann mir heute nur schwer vorstellen, wie es damals gewesen sein muss…dabei gehöre ich zu einer Generation, die noch mit den Menschen sprechen kann, die den zweiten Weltkrieg selbst miterlebt haben.

Wie wird es in Zukunft für diejenigen sein, die diesen persönlichen Zugang nicht mehr haben? Wird alles vergessen? Wird sich die Geschichte wiederholen, weil die Gesellschaft wieder unachtsamer wird?

Ein Schatz, den viele nicht zu schätzen wissen

Ich habe schon lange das Gefühl, dass persönliche Geschichten Gold wert sind. Ich beobachte es an mir selbst, dass mir Erzählungen von Freunden ewig in Erinnerung bleiben – weil ich sie fühle. Was kann ich also tun, damit meine Kinder einmal die Geschichten von früher wirklich nachvollziehen können?

Wie kann ich die Erinnerungen, die so unglaublich wichtig und lehrreich sind, am besten festhalten?

Ich habe lange gebraucht um festzustellen, dass es viele alte Menschen zwar berührt aber nicht unbedingt bedrückt, wenn man sie nach ihren Kindheitserinnerungen fragt…

…zu lange. Denn meine eigene Oma kann ich heute nicht mehr fragen. Als sie vor sieben Jahren starb hatte ich zwar schon diese leise Ahnung, dass ich ihre Geschichte irgendwie festhalten sollte. Aber ich habe damals nicht auf meine innere Stimme gehört. Ich hatte wohl zu viel anderes um die Ohren.

Jetzt weiß ich, dass ‘darüber reden‘ nicht traurig sondern glücklich macht, denn Geschichten erzählen ist heilsam. Für den, der sich erinnert und auch für den, der zuhört. Also muss ich mich jetzt beeilen und damit aufhören, den Gedanken weiter vor mir her zu schieben. Diejenigen, die den zweiten Weltkrieg noch bewusst miterlebt haben und von dieser Zeit erzählen können, sind jetzt 80 Jahre alt und älter – mir läuft die Zeit davon. 

Zeitzeugen sind in den sozialen Netzwerken kaum sichtbar…

…doch ihre Geschichten, also Erinnerungen und Lebenserfahrungen, dieser Generation sind für uns und für die nachfolgenden Generationen von unschätzbarem Wert. Wer damals den zweiten Weltkrieg selbst miterlebt hat, würde es heute wahrscheinlich nicht noch einmal so weit kommen lassen. Doch diese Mahnung wird vielleicht bald verloren gehen, wenn wir sie jetzt nicht festhalten.    

Deshalb will ich andere dazu ermutigen, sich auch für diese Geschichten zu interessieren und zu erkennen, wie wertvoll sie für uns sind. Sobald Menschen sich emotional durch eine Idee verbunden fühlen, kann in den sozialen Netzwerken eine Community entstehen. 

Also los, was ist der Plan?

All diesen Menschen die Möglichkeit geben, ihre Geschichte zu erzählen. Ich will so viele Geschichten wie möglich sammeln und andere Menschen damit berühren, damit sie sich in Zukunft daran erinnern.